Teilnahme an der Mahnwache – SOR-SMC

Am 18.11.2015 um 18 Uhr nahmen wir an der Mahnwache des „Bündnis für Demokratie und Zivilcourage“ auf der Maximilianstraße anlässlich der Anschläge bei der Anti-Terror-Razzia in Paris teil.

„[…] Gut 250 Menschen – „eingeborene“ Speyerer, Angehörige der türkisch-islamischen Gemeinde in der Stadt sowie in Speyer lebende Flüchtlinge aus dem vorderen und mittleren Orient – sie versammelten sich Seit' an Seit' unter dem Zeichen des schon in den 1960er Jahren zum internationalen Symbol der Friedensbewegung gewordenen „Peace“-Zeichen, das in so frappierender Weise an den Pariser Eiffelturm erinnert. Flackerndes Kerzenlicht, weiße Rosen, Gebete von Christen und Muslimen - dazu Reden und gemeinsam gesungene Friedenslieder in arabischer, türkischer, französischer, englischer und deutscher Sprache [schmückten den Abend].

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Aurel Popescu die Menschen in der Stadt dazu aufgerufen, auch unter den Eindrücken der schlimmen Ereignisse weltweit - den Terroranschlägen und Opfern im Libanon, in der Türkei, in Kenia sowie des „schwarzen Freitags“ von Paris, aber auch zuletzt der Bombendrohung von Hannover - bei aller Trauer und Betroffenheit nicht in Angst und Agonie zu verfallen. „Lasst uns unser Leben auch weiterhin nach unseren freiheitlichen und demokratischen Werten leben - nach vorne schauen und nicht zurück und nicht den fanatischen Terroristen den Sieg über unsere Werte und unsere offene Gesellschaft gönnen“, ermutigte Popescu seine Mitbürgerinnen und Mitbürger aller Ethnien. […]

[Danach] zitierte Ellen Korelius-Bruder als Sprecherin des aus vielen Gruppen der Speyerer Stadtgesellschaft zusammengesetzten „Bündnis für Demokratie und Zivilcourage“ einen syrischen Flüchtling, der in einem Gespräch darauf hingewiesen hatte, dass das, was die Menschen in Paris am letzten Freitag hätten erleiden müssen, in seiner angestammten Heimat in Syrien ebenso Alltag sei wie im Irak, in Afghanistan oder den anderen Fluchtländern: Gewalt gegen Frauen und Kinder, Bombenangriffe und Zerstörung – Länder, in denen heute Menschen kaum noch eine echte Lebenschance hätten. „Wir stehen deshalb an der Seite der Opfer von Paris, aber auch an der Seite aller Opfer“, hob Korelius-Bruder hervor – es gelte ein ganz klares „Nous tous sont Paris“ – „wir alle sind Paris!“. […]

In seiner Ansprache erklärte sich danach Oberbürgermeister Hansjörg Eger zugleich auch im Namen des Rates und der Bürgerschaft von Speyer solidarisch mit den Opfern von Paris, ihren Angehörigen und dem gesamten französischen Volk. „Das Entsetzen über diese Taten ist auch in Speyer allgegenwärtig“, betonte das Stadtoberhaupt, zumal sich diese ruchlosen Taten nicht gegen einzelne Menschen richteten, sondern gegen „unser aller Lebensweise.“ - „Deshalb hätte auch jeder von uns zum Opfer werden können“, konstatierte der Oberbürgermeister. Speyer sei schon seit vielen Jahrzehnten herzlich und freundschaftlich verbunden mit seiner französischen Partnerstadt Chartres, die nun unverschuldet gleichfalls in die Anschläge von Paris mit hineingezogen worden sei, weil einer der mutmaßlichen Täter wohl längere Zeit dort gewohnt und gelebt habe. […] „Diese Tage haben uns einmal mehr gezeigt, dass absolute Sicherheit wohl nirgendwo in der Welt zu verwirklichen ist – das gilt für die USA, in denen am Vortag noch zwei Flugzeuge wegen Bombendrohungen umgeleitet oder für Hannover, wo wegen Sicherheitsbedenken ein eigentlich als Freundschaftsspiel geplantes Fußballländerspiel abgesagt werden musste.“ Eger verband mit dieser bitteren Bilanz die Hoffnung, dass die Ereignisse der Vortage vielleicht dazu beitragen könnten, dass die westlichen Demokratien wieder dichter zusammenrückten.

In einem aufrüttelnden Appell erinnerte sodann der Speyerer „Flüchtlingsvater“ Daoud Hattab in arabischer Sprache […] daran, dass er selbst vor nunmehr 55 Jahren nach Deutschland gekommen sei, wo er eine offene und tolerante Gesellschaft vorgefunden habe, die er zu lieben gelernt habe und für deren Erhalt und Wohlergehen er sich mit aller Kraft einsetze. Die ihn an diesem Abend begleitenden, in Speyer lebenden Flüchtlinge rief er deshalb dazu auf, sich gleich ihm selbst für Demokratie und Toleranz in Deutschland und in der ganzen Welt stark zu machen. […]

Als Zeichen der in Speyer schon seit vielen Jahren fest verwurzelten interreligiösen Zusammenarbeit trat sodann der Imam der Speyerer „Fatih Camii- Moschee“, Riza Akdemir, gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Corinna Schauder und ihrem katholischen Amtsbruder, Pastoralreferent Dr. Markus Lamm ans Mikrophon, um, jeder nach seinem Ritus, Gebete zu sprechen.

[Der] Imam [betonte sodann], dass Allah nicht der Verbündete der Attentäter sei. Auch die Speyerer Muslime würden es deshalb nicht zulassen, dass Terroristen versuchten, die Welt glauben zu machen, dass Allah mit ihrem verbrecherischen Tun sei. „Wir teilen deshalb die Trauer der Opfer von Paris und ihrer Angehörigen und des ganzen französischen Volkes und sprechen Ihnen heute unser tiefes Mitgefühl aus“, ließ [Riza] Akdemir die Gemeinde wissen und [schloss] mit einem eindrucksvollen Zitat aus dem Koran, in dem es heißt „Ein Muslim ist nur der, von dessen Reden und Handeln für niemanden ein Schaden ausgeht“. - Klare Worte des Propheten...

Und Dr. Markus Lamm erklärte, er habe bei der Gründung des interreligiösen Forums in Speyer vor drei Jahren nicht erwartet, dass dieser [Zusammenschluss] jemals so wichtig werden könnte wie in diesem Jahr, in dem allein Frankreich Opfer von zwei schweren Terrorangriffen geworden ist. „Es gibt nur einen Gott – für Juden, Christen und Muslime und für alle, die an ein höheres Wesen glauben“, [schloss] der Geistliche, ehe die Gemeinde gemeinsam in ein weiteres Bekenntnislied des Friedenswillens einfiel und das berühmte ["We shall overcome"] der legendären Joan Baez einstimmte. […]“

(Quelle, 20/11/16: http://speyer-kurier.de/stadt-speyer.html#a47277)