Teilnahme an dem Gedenktag an die Reichsprogromnacht – SOR-SMC

„Am Gedenkstein der ehemaligen Speyerer Synagoge in der Hellergasse haben am Mittwochabend[, den 09.11.2016 um 18 Uhr BürgerInnen] an die Reichspogromnacht und die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordeten Juden erinnert. [Auch Mitglieder der Steuerungsgruppe von „Stadt ohne Rassismus – Stadt mit Courage“ waren anwesend.] Zuvor führte ein Schweigemarsch von der Alten Münze bis zum Gedenkstein hinter dem Kaufhof.

Axel Elfert, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Speyer, der die Veranstaltung organisiert, sagte, dass es in Teilen der Bevölkerung wieder verstärkt den Wunsch nach einem starken Führer gebe. Manche fühlten sich von der Politik so abgehängt, dass sie anfällig für die Meinung der Populisten seien. [Kritik] übte er auch an Recep Erdogan, dessen Politik zu einer faschistischen Diktatur führen könne und an EU-Kommissar Günther Oettinger, dessen Aussagen er als „rassistisches Gelaber“ bezeichnete. Die Reichsbürger würden sich bei solchen Aussagen die Hände reiben. Er brandmarkte das Verhalten der Regierungen in Sachsen und Thüringen, die den Rechtsradikalismus vernachlässigen. Auch Bürgern, die sagen, mit rechtsextremistischen Strömungen in der Gesellschaft müsse man leben, müsse verdeutlicht werden, dass diese niemals zu tolerieren seien. In den sozialen Medien [würde] ebenfalls nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet und sogar vor Mordaufrufen nicht zurückgeschreckt.

Oberbürgermeister Hansjörg Eger hob in seiner Ansprache die Bedeutung des 9. November hervor. Zu den Sternstunden der deutschen Geschichte gehört der 9. November 1989, an dem die Mauer fiel und der 9. November 1918, wo Philipp Scheidemann die „Deutsche Republik“ ausrief. Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Sie bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte des Antisemitismus und markierte den Übergang von der Diskriminierung zur aktiven Verfolgung.

Heute gebe es in Speyer ein prosperierendes jüdisches Gemeindeleben. Die Verlegung von Stolpersteinen in Speyer könne einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Man müsse Populisten mit rassistischen Gedanken etwas entgegensetzen. Er bedauere es, dass in den USA ein Kandidat zum Präsidenten gewählt wurde, der mit rassistischen Auftritten für sich geworben habe. Dennoch müsse man das demokratische Ergebnis respektieren. Gleichwohl gelte es, „unsere Werte nicht auf die Schlachtbank zu bringen“, so Eger. Er appellierte an die Bürger sich aktiv gegen Rassismus einzusetzen.

Pfarrer Bernhard Linvers erinnerte an die Ereignisse in der Reichspogromnacht. Bethäuser, Synagogen, Geschäfte und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. „Das geschah in einer Zeit, in der wir Alten bereits lebten.“ Speyer, Mainz und Worms seien Impulsorte der jüdisch askenasischen Kultur gewesen, ein Jerusalem in der EU. Er lobte das Engagement der Gruppen, die die Geschichte des „Dritten Reiches“ aufgearbeitet hätten. Hervorragend sei, dass es in Speyer einen jüdisch-christlichen Dialog, das Gedanken an die Reichspogromnacht am 9. November und die deutsch-israelische Gesellschaft gebe. Linvers stellte zudem fest, dass die Kommunikationskultur zunehmend verrohe. „Die Stimmungskultur dürfe niemals die Kultur des Argumentes ablösen.[“]

Eine Vertreterin des Bündnisses für Demokratie und Zivilcourage distanzierte sich von der AfD, die mit einigen Anhängern bei der Kundgebung vertreten war: „Es gibt keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen uns und den Ideen der AfD.“

Zwischen den Redebeiträgen sangen Uli Valnion und eine Gesangsgruppe Antikriegslieder.“

(Quelle, 20/11/16: http://speyer-aktuell.de/speyer-heute/42340--buerger-erinnern-an-verbrechen-der-nazis-in-der-reichspogromnacht--linvers-stimmungskultur-darf-kultur-der-argumente-nicht-verdraengen-)