Domovina & Heimat - Betül Mis

Betül Mis, Mitglied der Steuerungsgruppe SOR-SMC Speyer berichtet von dem Projekt „Domovina – Heimat“ während ihres FSJs in Bosnien und Herzegowina.

 

„Domovina – Heimat“ ist eine Porträtserie, die ich mit meinen SchülerInnen und Schülern aus dem Ersten Gymnasium Zenica erarbeitet habe. Inspiriert wurden wir von August Sanders „Bildatlas Menschen des 20. Jahrhunderts“, Carsten Sanders „Deutschland – Deine Gesichter“ und Brandon Stantons „Humans of New York“.
Das, was ein Land ausmacht sind die Menschen, die die Gesellschaft mitgestalten. Diese Menschen haben in all ihren Unterschiedlichkeiten und Vielseitigkeit eine verbindende Gemeinsamkeit – das Gefühl der „Heimat“. In der Porträtserie „Domovina – Heimat“ möchten wir den abstrakten Begriff „Heimat“ durch die Gesichter der Heimat greifbar machen und verschiedene Assoziationen mit diesem Begriff präsentieren.
Dies ist ein Kooperationsprojekt mit der deutschen Domstadt Speyer, in welcher die Steuerungsgruppe des Projektes „Speyer ohne Rassismus – Speyer mit Courage“ eine Porträtserie zum gleichen Thema über die Menschen in Speyer erstellt. Hierbei handelt es sich um ein bilinguales Projekt, sodass die Zitate auf Bosnisch und Deutsch zu lesen sind.
Gerade in Bosnien, wo drei Kulturen – bosnische Serben, Kroaten und Bosniaken miteinander leben, wurden die Assoziationen mit dem Begriff „Heimat“ sehr vielfältig. Somit verschärfte dieses Projekt bei den SchülerInnen aber auch bei den AusstellungsbesucherInnen sowohl künstlerische, als auch politische, geschichtliche und interkulturelle Sensibilität und ermöglichte Einblicke in verschiedene Lebenswelten.
Nach der Eröffnung der Ausstellung im Gymnasium in Zenica am Dienstag, den 31.01.2017 um 13 Uhr, soll das Projekt in Form einer Wanderausstellung verschiedene Orte besuchen. Das „Muzej Grada Zenice“ hat maßgeblich bei der Realisierung mitgeholfen und die Sachmittel, so wie eine Bildungsfahrt nach Sarajevo inklusive einem Museumsbesuch wurden vom Goethe Institut finanziert.

 

Gerade wenn man eine längere Zeit im Ausland verbringt und sich vom gewohnten Alltag, der Umgebung, den liebgewonnenen Menschen, insbesondere der Familie distanziert, lernt man das Gewohnte zu schätzen. Ein Opa, den wir im Rahmen des Projektes porträtierten, sagte: „Einmal habe ich meine Freiheit für neun Monate verloren, und es war eine Chance, zu verstehen, was Freiheit bedeutet. Als ich sie verloren habe, erkannte ich, dass es kostbar und wertvoll ist. Und so ist es auch mit der Heimat.“

Heute wird Heimat hauptsächlich als Land bezeichnet, wo die Großeltern ansässig waren oder mit Nationalstaatsgrenzen eingegrenzt. Aber „Heimat“ ist nicht nur das, es ist ein Gefühl, es ist diffus und jeder verbindet etwas Anderes damit. Im heutigen Zeitalter, in dem die Politik die Menschen in Nationalitäten/Religionen und sonstige Gruppen aufzuteilen versucht, verbindet das Gefühl der Heimat die Menschen. Diese Vielfalt sollte durch Statements und die Visualisierung der unterschiedlichen Gesichter der Heimat noch einmal unterstrichen werden.