Vorführung des Dokumentarfilms  „Blut muss fließen“ – Malteser

„[Am 04.02.2015 um 17 Uhr kamen] knapp 70 junge Leute sowie Vertreter aus Politik, Justiz und Polizei […] in das Kinder- und Jugendtheater nach Speyer [in die kleine Pfaffengasse 8], um den Film „Blut muss fließen“ zu sehen. Mit der Vorführung dieses Dokumentarfilms zum Thema „Konzerte mit Rechtsrock“ hat sich die Malteser Jugend am Mittwoch an den Veranstaltungen gegen Rechts beteiligt. Denn Speyer soll als erste Stadt in Rheinland-Pfalz den Titel „Stadt ohne Rassismus - Stadt mit Courage“ erreichen. […]

Zu Beginn der Vorführung verteilten die Malteser gelbe Bändchen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen - in Anlehnung an das gelbe Jackett, das Markenzeichen des Journalisten Thomas Kuban, [welcher zusammen mit dem Autor Peter Ohlendorf mit versteckter Kamera rechtsradikale Konzerte gefilmt und gezeigt hat,] wie Rechtsradikale mit ihrer Rockmusik Jugendliche ködern und radikalisieren wollen. […]

Die Aufnahmen zeigten [auch], wie wenig Beachtung der rechtsradikalen Szene in der Politik geschenkt, beziehungsweise wie grob deren Gefährlichkeit unterschätzt wird. Es wurde mehrfach deutlich, wie sehr der rechte Terror - und nichts anderes sei dies - in der Aufmerksamkeit hinter dem islamistischen Terror zurücksteht. „Dabei bildet der Rechtsradikalismus hier bei uns in Deutschland und Europa die eigentlich größte Bedrohung“, betonte Ohlendorf. „Und dass, wie behauptet, die linke Szene gewalttätiger sei, ist eine glatte Lüge. Nachgewiesener Maßen gehen in den vergangenen 20 Jahren mindestens 100 Tote auf das Konto der Nazi-Szene.“

Und es sei unverantwortlich, dass manche Menschen in wichtigen Positionen das Thema herunterspielten, die Justiz bei der Aufklärung von Straftaten behinderten oder einfach tatenlos bei volksverhetzenden Aktionen zuschauen. [Hierbei erschien auch die Polizei in bestimmten Gegenden in schlechtem Licht, weshalb sich sie Schülerfragen zuerst an die Vertreter der Polizei richteten] - „Wie würden Sie in einer solchen Situation reagieren? Sie sind bei einem Konzert vor Ort und hören verbotene Liedtexte, sehen den Hitlergruß - was tun Sie?“ Der angesprochene Beamte sagte, es gebe in diesem Fall einen Strafverfolgungszwang und das Einschreiten sei gesetzlich vorgeschrieben. Doch komme es auch auf die Taktik an, denn „wenn wir zu viert 200 meist besoffenen Skins gegenüberstehen, können wir nichts unternehmen. Denn dann hätten wir definitiv verloren.“ Es gelte, in einem solchen Fall, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren und erst dann vorzugehen. Im Bereich Speyer würden seltener Konzerte stattfinden, weil der Druck für die Veranstalter groß sei. […]

[Am Ende wies Ohlendorf noch darauf hin, dass Demokratie nun mal kein Konsumartikel sei,] dafür müsse man auch einstehen. Deshalb sei es wichtig, den Menschen die Vielfalt zu zeigen und ihnen Toleranz vorzuleben. Ihnen Lust darauf zu machen, „rauszugehen aus der deutschen Kartoffelbrei-Ecke und sich für Neues, Anderes zu öffnen.“

(Quelle, 20/11/16: http://www.malteser-speyer.de/presse/newsdetails/article/24908.html?cHash=6021ba0461c7ea3c3409153da1b0fe64)